Wasserflohzucht für wasserlebende Amphibien und Fische

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Wasserflöhe (Daphnia), die übrigens rein gar nichts mit Flöhen zu tun haben, sondern zu den Krebstieren gehören, lassen sich mit sehr einfachen Mitteln halten und vermehren. Alles, was man dazu braucht ist ein Wassereimer (oder wenn möglich, eine Regentonne), ein paar Wasserschnecken, etwas Trockenhefe und natürlich einen ersten Ansatz von Wasserflöhen.

Daphnia pulex

Wasserflöhe und Wasserschnecken werden gemeinsam in einem großen Wassereimer einquartiert. Vorzugsweise eignen sich robustere Kaltwasserschnecken wie Spitzschlammschnecken oder Posthornschnecken; bewährt haben sich über die Nicht-Wintermonate aber auch Blasenschnecken, die dabei eine ungewöhnliche Größe erreichen können.

Für die erste Zeit bildet sich mit dieser Vergesellschaftung ein recht stabiler Kreislauf - die Schecken fressen verstorbene Wasserflöhe, die sich wiederum von Einzellern ernähren, die Schneckenkot besiedeln und verkonsumieren.

Die Daphnien vermehren sich den Sommer über ungeschlechtlich, die Populationen bestehen vorrangig aus weiblichen Tieren. Diese erzeugen durch ein dem Klonen ähnlichen Vorgang (Parthenogenese oder Jungfernzeugung genannt) Eier, aus denen wiederum nur Weibchen schlüpfen. Lediglich in Situationen mit sich verschlechternden Umweltbedingungen oder zum Winter hin werden auch männliche Eier gebildet. Durch eine Paarung der männlichen mit den weiblichen Wasserflöhen werden Dauereier erzeugt, die mit einer schützenden Hülle versehen den Winter überstehen können; woraus dann im Frühjahr wiederum neue Wasserflöhe schlüpfen.

Sobald die Population an Wasserflöhen so angewachsen ist, dass der Schneckenkot und die davon lebenden Einzeller nicht mehr ausreichen, um alle "Flöhe" zu ernähren, muss zugefüttert werden.

Im Freiland (z.B. in Regentonnen) kann diese Zufütterung durch Algen erfolgen, die sich unter Einfluss von Sonnenlicht bilden. Aber auch unter Verhältnissen ohne viel Licht (und damit Algenwachstum) lassen sich Wasserflöhe ernähren - mit Hilfe von Trockenhefe, die in jedem besseren Lebensmittelgeschäft bei den Backwaren erhältlich ist.

Dafür wird eine kleine Portion Trockenhefe (je nach Menge der Wasserflöhe ein bis zwei Messerspitzen voll) in etwas Wasser, z.B. einem kleinen Glas, aufgeschlämmt. Diese Lösung wird dem Hälterungseimer zugegeben und die Krebstierchen tun sich daran gütlich. Nachgefüttert werden sollte erst, wenn das Wasser im Haltungsbehälter wieder klar ist, also sämtliche Hefe gefressen wurde.

Um ein Absterben der Wasserflöhe durch Sauerstoffmangel zu vermeiden, kann eine leichte Belüftung mittels einer Membranpumpe mit angeschlossenem Ausströmerstein erfolgen. Das verhindert die Bildung einer Kahmhaut auf der Wasseroberfläche und ermöglicht somit den Gasaustausch zwischen dem Wasser im Eimer und der Umgebungsluft. Die Belüftung darf dabei nicht zu stark sein und muss auch nicht die ganze Zeit in Betrieb sein; wenige Stunden am Tag reichen aus.

Für die Ernte der Wasserflöhe hat sich eine einfache Kombination aus einem Wasserschlauch und einem Futtertiersieb (oder Artemiasieb) bewährt. Die im Eimer schwimmenden Daphnien werden mit Hilfe des Wasserschlauches abgesaugt und in ein solches Sieb laufen gelassen. Danach sollten sie kurz in frischem Wasser durchgespült werden und können dann verfüttert werden. Den Floheimer füllt man anschließend mit sauberem Wasser wieder auf.

Um nicht immer mit mehreren Gerätschaften hantieren zu müssen, habe ich mir hierfür eine sehr simple Vorrichtung gebastelt:

Ich habe zwei kleine Holzlatten genommen, die etwas länger sind als der Durchmesser des Eimers. Diese wurden (mit ein wenig Klebeband) so fixiert, dass der Siebeinsatz zwischen diesen zwei Hölzern fest gehalten wird.
Daphnia_Sieb
Daphniasieb_2 Diese kleine Vorrichtung wird dann nur noch auf den Eimer gesetzt und es müssen nur noch beide Enden des Wasserschlauches fest gehalten werden - die Futtertiere bleiben im Sieb hängen und das restliche Wasser läuft in den Eimer. Einfach, aber für mein Empfinden hilfreich. Mit Zuhilfehame mehrerer Siebe mit unterschiedlicher Maschenweite (oben grob, unten drunter feiner) können die gefangenen Flöhe auch noch nach Größe sortiert werden.

Auf diese Art und Weise stehen über mehere Wochen oder Monate ohne größeren Pflegeaufwand regelmäßig Wasserflöhe zur Verfügung.

Nach einiger Zeit (je nach Menge der Fütterung, der Größe der Daphnia-Population und der entnommenen Anzahl an Futtertieren) sollte entweder ein neuer Ansatz gemacht werden (Tiere wie bei der Ernte entnehmen und in einen neuen Eimer setzen) oder ein größerer Wasserwechsel erfolgen, weil sich im Laufe der Zeit Abfallstoffe in dem Eimer sammeln. Vorzugsweise sollte hierbei der Bodengrund nicht mit abgesaugt werden, weil dort der ganze Schneckenkot und die nicht gefressenen Wasserflohleichen liegen.

Um bei einem Wasserwechsel ohne Neuansatz nicht unnötig die Daphnien mit abzusaugen - mehrmals durch einen Schlauch zu rutschen ist deren Gesundheit auch nicht übermäßig zuträglich - habe ich mir eine weitere kleine Hilfe gebastelt.

In diesem Fall werden die Wasserflöhe durch das Sieb einfach vom Schlauch fern gehalten: Dazu braucht es eine schwimmfähige "Schablone" für das Sieb und ebenfalls einen Schlauch. Ich habe als Schwimmer den Deckel einer Styropor-Wurmdose genommen und ein entsprechendes Loch ausgeschnitten. Flohfilter_Ausgang

Das Sieb kommt in das Loch, der Schlauch kommt ins Sieb, das Ganze in den Floheimer und dann kann es losgehen. Das Wasser aus dem Eimer wird im Sieb angesaugt und in einen anderen Eimer abgelassen, die Flöhe bleiben davor. Weil sich das Sieb gelegentlich etwas zusetzt, schüttele ich es hin und wieder im Eimer; außerdem nutze ich nur einen dünnen 4/6 mm Luftschlauch und lasse das Wasser laufen, während ich mich anderen Dingen zuwende. Und damit nichts verrutscht und mir den Keller unter Wasser setzt, befestige ich die beiden Enden der Schläuche einfach mit Wasserklammern am Sieb und am unteren Eimer. Die dekorative Tischdecke ist übrigens nicht zwingend notwendig...

Und so siehts im Eimer aus: Flöhe jeglicher Größe!

© Daniel Weiner, Ambystoma.de 2008