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Futtertiere & Putzkolonne in einem: die Aquariumschnecken
von Sabine Hennes
Da Axolotl am besten mit abwechslungsreichem Futter gedeihen, kam natürlich irgendwann die Schnecke ins Spiel! Ein großer Vorteil dieser teilweise sehr hübschen Aquarienbewohner ist die unproblematische Haltung und einfache Nachzucht. Die meisten Schnecken sind aber nicht nur als Futtertiere gut, sondern auch eine hervorragende Putzkolonne für Nahrungsreste, Ausscheidungen und abgestorbene Pflanzenteile.
Schnecken sind Allesfresser: sie ernähren sich wahlweise von diversen Gemüsesorten wie geschälter Gurke, Salat, Zucchini, Paprika, Tomaten, Kartoffelscheiben und jeder Obstsorte. Die meisten pflanzlichen Futtersorten sollte man kurz überbrühen, da die Zellstruktur dann aufgeweicht ist und von den Schnecken besser aufgenommen werden kann. Bei Obst und Gemüse sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, da nicht jede Schnecke alles frisst. Generell sollte man Zusatznahrung max. 24Std. im Becken belassen, da sonst ein Fäulnisprozess eintritt, der sich negativ auf die Wasserqualität auswirkt. Als Putzkolonne kümmern sie sich in einem Gesellschaftsbecken auch um verstorbene Tiere und ernähren sich auch von Futtertabletten oder Fischfutterresten am Boden. Die nachfolgend beschriebenen Schnecken fressen keine gesunden Aquarienpflanzen.Schnecken gehören zu den Wirbellosen und reagieren empfindlich auf Schadstoffe im Wasser, wie Chlor, Kupfer, Nitrat, Nitrit und Ammoniak. Deswegen ist es wichtig, auf gute Wasserqualität und regelmäßige Wasserwechsel zu achten.
Blasenschnecke – Physella acuta
Die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Schnecke ist die „Blasenschnecke“, sie ist auf der ganzen Welt, in gemäßigtem Klima, zu finden.
Durch ihr natürliches Vorkommen kann sie in Kalt- und Warmwasseraquarien bei einer Temperatur von 0 -30°C gehalten werden. Die Blasenschnecke kann in den unterschiedlichsten Gesellschafts- oder Artenbecken gehalten werden.Blasenschnecken erreichen eine Größe zwischen 7 und 15 mm. Blasenschnecken sind zwittrig angelegt, d.h. nach der Befruchtung wandeln die Tiere sich zu weiblichen Tieren und kleben ihre Laichballen an Pflanzen, Scheiben oder Einrichtungsgegenstände.
So holt man sich diese Schnecke auch meist ins Aquarium, durch den Kauf neuer Pflanzen. Im Warmwasseraquarium entwickeln sich die Gelege bei ca. 20 Grad innerhalb von 7 Tagen. Je wärmer das Wasser ist, desto schneller entwickelt sich die Jungschnecke im Ei. Die Schnecken schlüpfen vollständig entwickelt, als wenige Millimeter kleine Tiere.
Auf der linken Seite ist eine frisch geschlüpfte Blasenschnecke zu sehen - an einer 0,35 mm "dicken" Nylonsehne.
Turmdeckelschnecke - Melanoides tubercuatus
Eine ebenfalls sehr bekannte, in fast jedem Aquarium zu findende und nützliche Schnecke ist die Turmdeckelschnecke. Nützlich ist die Turmdeckelschnecke nicht nur als Resteverwerter im Aquarium, sie gilt aufgrund ihres Aufenthaltes im Bodengrund als „Regenwurm des Aquariums“.
Sie gelangt meist über das Wurzelwerk neuer Pflanzen ins Aquarium.
Eine Turmdeckelschnecke kann bis zu 3cm lang werden und hat ein spitz zulaufendes Gehäuse. Sie toleriert dauerhaft Temperaturbereiche zwischen 18 und 25, maximal 32 °C. Die Turmdeckelschnecke ist eine lebend gebärende Schnecke, die ihre Jungtiere mit einer Größe von 1,2 - 2mm aus einer „Nackentasche“ entlässt.
Riesenturmdeckelschnecke (Brotia herculea)
Die Riesenturmdeckelschnecke ist der gemeinen Turmdeckelschnecke sehr ähnlich, nur um ein vielfaches größer, sie kann bis knapp 10 cm lang und 3 cm breit werden, die Schale relativ dick. Die Art bevorzugt klares Wasser und lebt auf steinigen, sandigen oder schlammigen Böden und Wurzeln sowie unter Blättern im Wasser. Die Tiere leben am liebsten bei 22 bis 28 °C Wassertemperatur (sind also für die dauerhafte Haltung im Axolotlbecken nur eingeschränkt zu empfehlen) und brauchen sauberes Wasser. Sie suchen am Tage nach Fressbarem am Aquariumgrund Die Riesen-TDS hat wie die kleine TDS einen Gehäusedeckel (Operculum), der das Gehäuse passend verschließt. Sie ist getrennt geschlechtlich angelegt. Das Männchen befruchtet das Weibchen durch Übergabe eines Spermatophors, die Jungtiere wachsen in einem Brutbeutel heran.
Posthornschnecke (Planorbarius corneus)
Die Posthornschnecken gehören zu der größten Familie der im Wasser vorkommenden Lungenschnecken. Die ursprüngliche Gehäusefarbe der PHS ist braun bis schwarz, es gibt allerdings mittlerweile viele Züchtungen mit den unterschiedlichsten Gehäusefärbungen und Maserungen. Sie erreichen eine Größe von 2,5 – 3,5 cm. Bei Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad fühlen sie sich am wohlsten, bei Temperaturen unter 18°C stellen sie ihre Vermehrung ein.
Ab einem ph Wert von 6 bis zu einem ph Wert von 8,5 zeigen sie sich aktiv und vermehrungsfreudig. Niedrigere ph Werte unter 6 - 4,5 vertragen sie sehr schlecht, die Vermehrung bleibt aus, die Population stirbt ab ph 5 vollkommen aus. Sie kommen zwar mit Weichwasser zurecht, aber im mittelharten und harten Wasser fühlen sie sich deutlich wohler.Die Posthornschnecke ist wie die Blasenschnecke zwittrig angelegt, die Vermehrung verläuft ebenso wie die der Blasenschnecke. Die Gelege werden an Pflanzen, Scheiben oder sonstigen Einrichtungsgegenständen abgelegt und sind im Vergleich zu den Gelegen der Blasenschnecken eher flach und "symmetrischer" strukturiert.
Auf dem rechten Bild sind schlüpfende Posthornschnecken zu sehen. Sie besitzen zu der Zeit einen Gehäusedurchmesser von ca. 1 mm.
Apfelschnecke (Pomacea bridgesii/ Pomacea canaliculata)
Es gibt im Handel zwei unterschiedliche Apfelschnecken, die für den Laien nicht leicht zu unterscheiden sind. Die friedliche Apfelschnecke, welche es mittlerweile in allerlei Farbschlägen gibt (gelb, weiß, braun, grün, blau, rosa und mit unterschiedlichen Fussfarben), nennt sich Pomacea bridgesii und frisst KEINE lebenden Pflanzen. Beide AS sind getrennt geschlechtlich und vermehren sich durch Gelege, welche außerhalb des Wassers an der Abdeckung oder Beckenrand gelegt werden.
Die Haltungstemperatur liegt zwischen 10 – 30°C, wobei ein Mittelwert von ca. 22°C als ideal anzusehen ist.
Die einfachste Geschlechterunterscheidung bei der Pom. bridgesii ist die oberste Gehäusewindung; sie ist beim Weibchen dunkler als das restliche Gehäuse, beim Männchen ist das Gehäuse gleichmäßig gefärbt. Geschlechtsreif sind die Schnecken mit ungefähr einem halben Jahr. Ausgewachsen können sie die Größe eines Golfballes erreichen.
Eine Verwandte der Pomacea bridgesii ist die Pomacea canaliculata (s. Bild links) - die Verwandtschaft kann sie rein äusserlich auch nicht verleugnen. Es gibt aber mehrere recht eindeutige Unterschiede: Die Pom. Canaliculata erreicht bei guter Pflege durchaus ihre 7cm, die Farbe ist braun (mal heller, mal dunkler) mit dunkleren Streifen oder dunkelsattgelb. Die Farbe des Geleges ist knallig pink.
Die Canaliculata ist ein Pflanzenvernichter und bis auf Wasserpest vernichtet sie jede Aquariumpflanze.Die Unterschiede zwischen den beiden Schnecken kann man leider nur mit geübten Blick am Gehäuse erkennen, die Windungsansätze der Bridgesii sind rechtwinklig, die der Canaliculata spitzwinklig, d.h. eingekerbt, außerdem sind die Gehäuse der Pomacea canaliculata wesentlich runder als die der Bridgesii.
Apfelschnecken zu züchten ist recht einfach. Die Laichbereitschaft wird durch Frischwasserwechsel begünstigt. Die Schnecken legen im geschlechtsreifen Alter, das sie mit ca 9 Monaten erreichen, traubenförmige Gelege mit ca. 200-600 Eiern. Abgelaicht wird außerhalb des Aquariums am Beckenrand oder der Abdeckung. Zur Entwicklung benötige die Gelege eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nach 7-14 Tagen schlüpfen die Jungschnecken, indem sie sich durch die Eihülle fressen und ins Becken fallen. Sollte sich einmal ein Gelege lösen, kann man es auf ein kleines Styroporfloß legen und auf der Wasseroberfläche treiben lassen, bis die Schnecken schlüpfen. Nach dem Schlupf fressen die Kleinen wie die großen Apfelschnecken, am liebsten jedoch Wasserlinsen (Lemna minor). Da Schnecken, insbesondere Jungschnecken, für den Gehäuseaufbau Kalk benötigen, sollte man das Wasser durch kalkhaltige Steine, eine unbehandelte Sepiaschale oder zermörserte Eierschalen mit zusätzlichem Kalk aufhärten. Dies macht die Schnecken widerstandfähiger und die Gehäuse schöner, außerdem verhindert es eine Entkalkung des Wassers und verhindert einen Säuresturz.Rennschnecke oder Zebraschnecke
(Neritina natalensis)Rennschnecken sind sehr schöne Tiere und leisten in einem Aquarium sehr gute Dienste als Algenvernichter. Für ein Kaltwasserbecken sind sie jedoch keine geeigneten Bewohner, da sie Brackwasser bevorzugen und ihre Wohlfühltemperatur bei ca.25°C liegt. Sie vermehrt sich nicht in Süßwasser, da die Jungtiere zur Aufzucht fließendes Plankton benötigen. Bei einer Haltung in Süßwasser laichen sie zwar ab, es kommt aber nicht zur erfolgreichen Zucht. Daher sind alle im Handel erhältlichen Rennschnecken Wildfänge.
Bei Wildfängen sollte man beachten, dass sie Parasitenüberträger sein können und in einem Gesellschaftsbecken große Schäden anrichten können. Der wohl bekannteste Parasit ist der Schneckenegel, der innerhalb kürzester Zeit eine komplexe Schneckenpopulation vernichten kann.
Rennschnecken lieben klares und sauberes Wasser. Bei der Haltung in Süßwasser neigen sie dazu, das Becken zu verlassen, wenn die Wasserwerte nicht in Ordnung sind. Sie sind Algenfresser und nur schwer an künstliches Futter zu gewöhnen, sie lassen sich jedoch mit Spirulina-Algen zufüttern.
Die häufigste Todesursache dieser Schnecken ist der Hungertod. Wenn die Wildfänge in den Handel kommen, sind sie meist komplett ausgehungert und benötigen Algen. Da aber Algen in einem "normalen" Becken als unschön gelten und oftmals bekämpft werden, können sie sich nur nur schwer erholen.
In Brackwasser gehaltene Rennschnecken sind sehr viel vitaler, werden größer als in Süßwasser und können die ganze Pracht ihrer schönen Gehäuse entfalten.
© Sabine Hennes, Ambystoma.de 2008