Aquarienchemie - die wichtigsten Werte und Vorgänge

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Diese Seite gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten chemischem Parameter in einem Aquarium und die Grundlagen des "Schadstoffabbaus".

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Stickstoffwechsel / Nitrifikationskette - pH - Sauerstoff


Der Stickstoffwechsel - Ammonium, Ammoniak, Nitrit, Nitrat

In jedem Aquarium, dem Nährstoffe zugeführt werden und das über tierischen Besatz verfügt - unabhängig davon, ob es sich dabei um Axolotl, Fische, Garnelen, Schnecken oder sonstige Bewohner handelt - finden Stoffwechselvorgänge statt. Die dabei entstehenden Stoffe sind wahrscheinlich die, mit denen sich ein Aquarianer am häufigsten beschäftigen wird, weshalb sie an erster Stelle genannt werden.

Beim Stickstoffwechsel werden Eiweisse über mehrere Stufen zum weitgehend unschädlichen Nitrat abgebaut. Verantwortlich hierfür sind verschiedene Gruppen von Bakterien, die auf allen Oberflächen mit ausreichender Sauerstoffversorgung (Pflanzen, Scheiben, obere Schichten des Bodengrundes, Filtermedien) und zum geringen Teil sogar frei schwebend im Wasser angesiedelt sind.

Diese Vorgänge werden als "Nitrifikationskette" bezeichnet, funktionieren sie stabil, wird ein Aquarium als (biologisch) eingefahren oder eingelaufen bezeichnet. Wie man als Aquarianer ein neu eingerichtetes Becken einfahren kann, wird auf einer eigenen Seite beschrieben und welche Funktion dabei ein biologischer Filter übernehmen kann, findet sich auf einer gesonderten Seite zur Filterung.

Die Nitrifikationskette gestaltet sich wie folgt:

Nitrifikationskette

Die eigentliche Nitrifikation (die bakterielle Umwandlung von Ammonium zu Nitrat) läuft in zwei Stufen ab, wobei hier der Übersicht halber noch eine Vorstufe - die Ammoniumerzeugung - mit beschrieben wird, um das Verständnis zu erleichtern.

1. Stufe - Ammonium / Ammoniak

Im Aquarium befindliche organische Verbindungen bestehen zu einem erheblichen Teil aus Eiweissen (Futter, Kot, abgestorbene Pflanzen und Tiere). Diese Eiweisse enthalten ca. 15 - 18% Stickstoff (vgl. Krause, 2007).

Dieser ursprünglich organisch gebundene Stickstoff wird anorganisch als Ammonium frei gesetzt.

Ammonium selbst ist für die Tiere eines Aquariums relativ harmlos, allerdings wandelt sich ein Teil davon bei steigendem pH-Wert und steigender Wassertemperatur in Ammoniak um, was wiederum ein gesundheitsschädliches Gas ist. Ammonium und Ammoniak werden mit den gängigen Testmethoden immer gemeinsam gemessen, der jeweilige Anteil bestimmt sich über den pH - Wert.

Grenzwert: dauerhafte Ammoniakkonzentrationen von 0,02 ml/l gelten für Fische als schädlich, Werte von 0,2 mg/l können auch kurzfristig Schädigungen hervorrufen und sollten unbedingt vermieden werden!

In der Regel sollten in eingelaufenen Becken keine hohen Ammonium / Ammoniak - Werte auftreten, da diese Stoffe durch Pflanzen aufgenommen und durch Bakterien abgebaut werden, wie in der 2. Stufe beschrieben..


2. Stufe - Nitrit

Die zweite Stufe ist in der obigen Abbildung durch eine "Wolke" mit einem orangenen Smilie dargestellt.

Hierbei wird durch verschiedene Bakterien (z. B. Nitrosomonas, Nitrosococcus, Nitrosospira) das im Wasser befindliche Ammonium-Ammoniak - Gemisch unter Verbrauch von Sauerstoff in Nitrit umgewandelt.

Das so entstehende Nitrit kann bei erhöhten Konzentrationen giftig wirken, weil es einerseits den Sauerstofftransport im Blut behindert und andererseits die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen ermöglicht. Eine weitere Gefährdung entsteht bei niedrigem pH-Wert (pH < 7,0), weil hierbei stark giftige salpetrige Säure entstehen kann.

Grenzwert: Ein konkreter Grenzwert ist schwierig zu bestimmen und wird in unterschiedlichen Quellen mit recht großen Schwankungsbreiten angegeben. In einem eingelaufenen Aquarium mit funktionierender biologischer Filterung sollte ein Wert von mehr als 0,2 mg/l jedenfalls vermeidbar sein.


3. Stufe - Nitrat

In der dritten und abschließenden Stufe der Nitrifikationskette wird das vorher erzeugte Nitrit in Nitrat (NO3) umgewandelt. Das ist in der Grafik durch eine "Wolke" mit grauem Smilie symbolisiert.

Hierfür sind z. B. Bakterien der Gattungen Nitrobacter, Nitrococcus oder Nitrospira verantwortlich. Auch für diesen letzten Schritt benötigen die Bakterien Sauerstoff.

Nitrat selbst ist weitgehend harmlos und wird im Regelfall im Aquarium nicht weiter abgebaut oder umgewandelt. Pflanzen nutzen Nitrat als Nährstoff, wenn kein Ammonium mehr vorhanden ist, für diesen Vorgang ist allerdings Eisen und Molybdän als Katalysatoren notwendig. Im Normalfall sollte der Nitratgehalt in Aquarien durch regelmäßige Teilwasserwechsel reduziert werden, bei denen ein Teil des Aquarienwassers durch frisches Wasser ersetzt wird.

Gefährlicher wird ein hoher Nitratwert, wenn es zu sauerstoffarmen Zuständen (Sauerstoffgehalt < 1,5 mg/l) kommt, beispielsweise in stark verdichtetem Bodengrund oder in ausgefallenen Außenfiltern. Hier kann es durch den Vorgang der Denitrifikation zu einer "Rückbildung" in das giftige Nitrit kommen.


pH - Wert (lat.: potentia Hydrogenii oder pondus Hydrogenii)

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(Chemisch) vereinfacht gesagt, bezeichnet der pH-Wert das Verhältnis von Säuren und Basen im Aquarienwasser. Er wird in einem Spektrum von 0 ("sauer") bis 14 ("basisch") gemessen, ein ausgewogenes oder neutrales Verhältnis wird durch den einen pH-Wert von 7 angegeben.

Die Skala selbst verläuft logarithmisch, eine Veränderung des pH-Wertes um einen Skalenpunkt bedeutet also eine Verzehnfachung der Menge an Säuren oder Basen.

Die wichtigsten natürlichen Einflussfaktoren auf den pH-Wert sind einerseits die Karbonathärte auf der basischen Seite und die Kohlensäure (entstehend aus Kohlendioxid aus der Luft bzw. von der Atmung) als saures Gegengewicht.

Der pH-Wert in einem mit Tieren und Pflanzen besetzten Aquarium schwankt im Tagesablauf, weil Pflanzen unter Lichteinwirkung via Photosynthese Kohlenstoff aufnehmen und sich somit der Kohlendioxidgehalt in einem Aquarium verändert.

Grenzwerte: Grundsätzlich sollte der pH-Wert nur in Verbindung mit dem CO2 - Gehalt und der Karbonathärte beurteilt werden. Als grober Richtwert sollte in Aquarien ein pH-Wert von ca. 6,8 bis 7,2 herrschen, also nahe dem neutralen Wert (vgl. Krause, 2007).

Wird ein Wert von 7,5 überschritten, tritt wahrscheinlich ein Kohlendioxidmangel auf, was insbesondere das Pflanzenwachstum negativ beeinflusst. Wird ein Wert von 7,0 unterschritten, besteht die Gefahr der Bildung von giftigem Ammoniak.

Hinweise zur Beeinflussung des pH-Wertes gibt es auf dieser Seite nicht, dazu sollte tiefergehende Fachliteratur zu Rate gezogen werden. ;-)


Sauerstoff

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Beim Sauerstoffgehalt von Aquarienwasser geht es ausschließlich um den im Wasser gelösten gasförmigen Sauerstoff O2, nicht etwa um den im Wassermolekül gebundenen Sauerstoff.

Der Sauerstoffgehalt ist entscheidend für viele verschiedene Vorgänge im Aquarium - die Atmung von Tieren, Pflanzen und Bakterien ebenso wie für die Löslichkeit oder Bindung verschiedener chemischer Elemente.

Im Aquarium gibt es hauptsächlich drei Vorgänge, durch die sich der Sauerstoffgehalt verändert: einerseits wird er durch oxidative Reaktionen (gemeinhin vereinfacht als "Atmung" bezeichnet) durch die meisten Lebewesen (Tiere, Pflanzen, Bakterien) verbraucht. Gleichzeitig wird er durch Pflanzen während der Photosynthesephase unter Lichteinwirkung erzeugt und es findet ein Gasaustausch mit der Umgebungsluft statt, wobei ein Gleichgewicht zwischen den Gaskonzentrationen im Wasser und in der Luft angestrebt wird.

Das betrifft nicht nur Sauerstoff, sondern ebenso Kohlendioxid, Stickstoff und weitere Gase. Dieser Gleichgewichtswert ist im Wesentlichen abhängig von der Wassertemperatur - um so wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff ist im Gleichgewichtszustand darin gelöst (was jedoch nicht bedeutet, dass es nicht mehr oder weniger Sauerstoff im Wasser geben kann, wenn z. B. starke Photosynthesevorgänge stattfinden oder mehr Sauerstoff veratmet wird - nur ist es dann eben kein Gleichgewicht mehr).

Entgegen immer wieder zu lesenden Aussagen ist es nicht direkt möglich, den Sauerstoffgehalt mittels "Belüftung", "Sprudelsteinen", "Blubber" oder Ausströmern zu erhöhen. Das Einbringen von Luft führt allerdings (genauso wie eine Kreiselpumpe) zu einer Wasserumwälzung und Oberflächenbewegung. Dadurch wird der Gasaustausch zwischen Wasserschichten mit unterschiedlichen Konzentrationen sowie der Umgebungsluft begünstigt. Der Sauerstoffgehalt wird sich jedoch nicht merklich über den Gleichgewichtswert erhöhen, egal wie stark die Belüftung ist!

 
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